Chronik des Kleintierzucht - Vereins Gestungshausen
Chronisten: Michael Lojewski und Klaus Fischer im Jahr 2004
Am 15. Januar 1893 fanden sich 15 Bürger in Gestungshausen zusammen, um einen Geflügelzuchtverein ins Leben zu rufen, die Interessen zu fördern und damit der Kleintierzucht den notwendigen Rahmen zu verleihen. Bei dieser Zusammenkunft bestand Einigkeit darüber, eine Vorstandschaft zu wählen, wobei folgendes Ergebnis erzielt wurde:
Vorstand:Pfarrer Alwin Sellner
Schriftführer:Chr. Engel
Kassier:Heinrich Dötschel
Obwohl 15 Gründungsmitglieder anwesend waren, wurden nur die 3 Vorstandsmitglieder mit Namen genannt; alle anderen blieben unerwähnt. Vereinslokal war die Gastwirtschaft Eckardt.
Mit den schon bestehenden Nachbarvereinen Sonnefeld, Weidhausen, Lettenreuth, Michelau und Mitwitz bestand ein gutes Einvernehmen, wobei weitere Informationen vermittelt worden sind. Der Beitritt zum Verband vollzog sich am 3. Sept. 1893 in Sonnefeld und unmittelbar danach wurde schon Lokalschauen beschickt und besucht, allerdings mit kleinen Erfolgen wie ersten, zweiten und dritten Preisen und damit wurde der Reiz geweckt, höhere Bewertungen zu erzielen. Das Interesse zum neuen Verein verzeichnet einen Aufwärtstrend der Mitglieder.
Am 11. März 1907 wurde die erste Generalversammlung mit 20 Personen durchgeführt und anfangs die Wahl einer Vorstandschaft vollzogen mit nachfolgendem Ergebnis:
VorstandJoh. Nik.. Dötschel
SchriftführerBernhard Langbein
KassierOtto Knauer
VereinsdienerWilhelm Bätz
Anläßlich einer Versammlung am 25. März 1907 wurde Alwin Sellner zum Ehrenmitglied vorgeschlagen und einstimmig gewählt.
Hier soll ein Versammlungsprotokoll zitiert werden, welches für sich spricht:
Der Vorstand eröffnete die gut besuchte Versammlung. Unter Punkt l wurde die Anmeldung zur Berzirksschau entgegen genommen. Vereinsdiener Theodor Köhn enthält für seinen Dienst 2 Reichsmark und ist lagenfrei. Emil Engel II meldet sich zum Verein an, Abstimmung 17 zu l. Man munkelt von einem großen Faß. Wird wohl niemand was dagegen haben. Schluß der Versammlung 22.30 Uhr.
Nicht unerwähnt soll bleiben, daß das Vereinslokal, aus welchen Gründen auch immer, von der Gastwirtschaft Eckhardt in die Gastwirtschaft Caspar Dötschel verlegt wurde. Am 15. Jan. 1933 wurde das 40-jährige Bestehen in gebührender Weise gefeiert. Die ausgerichtete Jubiläums-Lokalschau war in allen Teilen ein Erfolg. Der Kommers zeigte ebenfalls, daß die Mitglieder verstanden, den Wünschen der Gäste nachzukommen. Die Gründungsmitglieder Emil Engel I, Bernhard Langbein, Joh. Gg. Reißenweber und Eduard Windisch wurden zu Ehrenmitgliedern erhoben. Ehrenmitglied Alwin Seilner, wohnhaft in Coburg, ließ sich entschuldigen. Der Vorstand Hermann Dötschel gab den Ablauf bekannt, wo unter anderem auch eine große Mahlzeit eingeplant und 2 Gerichte angeboten wurden. Hauptlehrer Berthold Weiß mit Frau waren ebenfalls anwesend. Derselbe wurde während des Abends als Mitglied aufgenommen. Zur Unterhaltung sorgten in positiver Weise die Mitglieder Albin Dötschel, Franz Köhn, Anton Stumpf und Max Wolf, alles bekannte Humoristen. Die Zuhörer kamen aus dem Lachen nicht mehr heraus. Der Chronist Franz Knauer meinte: Es gab ein deftiges Essen, der Humor stand hoch im Kurs, das Lachen war Trumpf und die Stimmung war fantastisch. Damit hatte die Jubiläumsfeier einen entsprechenden Abschluß gefunden, welcher bei den meisten Teilnehmern erst gegen 3 Uhr früh war.
Bei der Vorstandswahl am 5. Feb. 1933 wurde wie folgt gewählt:
VorstandHermann Dötschel
SchriftführerFranz Knauer
KassierWilhelm Höhn
VereinsdienerTheodor Köhn
ZeugwartEmil Knauer
Eine Wandlung erfolgte nach der Machtübernahme 1933. Der bisher genannte Vorsitzende wurde von nun an nur noch als Vereinsführer im Protokoll genannt. Aus den Niederschriften ist auch zu entnehmen, daß allgemein die Freude am Vereinsleben sich reduzierte und damit mehr Abmeldungen als Anmeldungen getätigt wurden. Die amtierende Vereinsführung wurde ihren Aufgaben bis Ende 1936 gerecht.
Keine Aufzeichnungen von 1936 - 1941 !
Die letzte erwähnte Versammlung lt. Protokoll wurde am 15.5.1944 abgehalten. Nach Kriegsende 1945 erläßt die Militärregierung Verordnungen und Bestimmungen über Vereine. Die bisherigen Vereinsführer, welche politisch engagiert waren, mußten abtreten und durften nicht mehr zur Wahl stehen.
Die erste wieder einberufene Versammlung erfolgte am 8. Nov. 1946. Es standen Neuwahlen an. Bruno Knauer wurde zum l. Vorsitzenden gewählt, welcher sich aber nur für eine Übergangszeit bereit erklärt hat. Unter seiner Führung folgte eine bewegte Zeit.
Im Jubiläumsfeier 1953 hatte der Verein beabsichtigt, die Bezirksschau zu übernehmen. Dies scheiterte aber daran, weil Oeslau diese zugesprochen bekam. So wurde eine Jubiläumsfeier mit Frauen arrangiert. Diese Feierstunde war den Beteiligten eine feine Sache, denn wie der damalige Chronist Kurt Bauer vermerkte, ging die Veranstaltung morgens um 4 Uhr zu Ende.
Im Zuge der Jahresschluß Versammlung 1954 beantragte u.a. Vorstand Hans Knauer, daß Mitglieder, die dem Verein 40 Jahre angehörten, zu Ehrenmitgliedern erhoben werden. Dieses wurde einstimmig befürwortet.
In den folgenden Vereinsjahren waren die Geschehnisse im Wesentlichen gleichbleibend. Die Monatsversammlungen wurden abgehalten, dabei wurden die züchterischen Probleme besprochen.
Nachdem der Verein schon Jahre keine Schau mehr abhalten und durchführen konnte, sei es Kreis- oder Gruppenschau, suchte man nach Möglichkeiten. 2. Vorstand Friedhelm Siebert stellte den Antrag, eine vereinsinterne Sonderschau zu beantragen. Nach längerer Aussprache kam man zu dem Entschluß, eine neue Schau ins Leben zu rufen mit dem Namen "Fränkische Taubenschau". Sie soll im 2-jährigen Turnus durchgeführt werden.
Am 12.4.1963 wurde der Antrag beim Bezirksvorsitzenden Herrn Pollak in Bayreuth gestellt, dieser leitete ihn an den Landesverband weiter. Nach der Genehmigung durch den Landesverband stand der zukünftigen Fränkischen Taubenschau nichts mehr im Wege.
Schon am 24. Jan. 1964 wurde die Schau zum erstenmal durchgeführt. Sie war mit 930 Tieren überraschend gut beschickt, so daß zwei Säle in Anspruch genommen werden mußten. In den folgenden Jahren wurde die Vereinsarbeit weiter ausgebaut und aktiviert, wobei sich auch einige Jungzüchter zum Verein fanden.
Die Jungtierbesprechungen zur Aufklärung und Belehrung des Züchter sind und waren für die Verantwortlichen des Vereins ein fester Begriff geworden und wurden seitdem jährlich durchgeführt. Im Kleintierzuchtverein Gestungshausen vollzieht sich der Jahresablauf nahezu nach einem festem Modus:
  • Am 1. Montag des Monats ist Versammlung
  • Innerhalb des ersten Vierteljahres ist Schlachtschüssel sowie Taubenmarkt
  • In den Sommermonaten ist ein Ausflug
  • Anfang Oktober ist Jungtierbesprechung
  • ... und alle zwei Jahre findet die Fränkische Taubenschau statt
Abschließend kann dem Kleintierzuchtverein Gestungshausen zugesprochen werden, daß diese Gemeinschaft im Laufe der Zeit gewachsen ist und sich ein Fundament geschaffen hat, daß gegen vielerlei Situationen Stand hält, sei es finanzieller Hinsicht, im materiellen Bereich oder auf züchterischen Ebene.
Der Verein zeichnet sich aus durch mustergültige Zusammenarbeit bei Vereinsveranstaltungen, wie Ausstellungen und hier besonders die Durchführung der Fränkischen Taubenschau.
Die Vereinsführung im Wandel der Zeit:
Vorsitzender Schriftführer Kassier
1893-1907Pfarrer Alwin SellnerChristian EngelHeinrich Dötschel
1908Joh. Nik. DötschelBernh. LangbeinOtto Knauer
1912Johann SchmidtBernh. LangbeinBernh. Hübner
1919Ernst TruckenbrodGustav StrasserErnst Eichhorn
1921Johann Gg. KnauerHermann DötschelErnst Eichhorn
1924Johann Gg. KnauerErnst EichhornAlb. Schwämmlein
1926Alwin DötschelAlbin KnauerErwin Schilling
Wilh. Höhn
1928Rudolph KnauerAlwin Knauer
Rudolph Hertha
Wilh. Höhn
1930Hermann DötschelFranz KnauerWilh. Höhn
1935Hermann DötschelFranz KnauerHermann Dötschel
1941Franz KöhnFranz KnauerHermann Dötschel
1946Bruno KnauerRudolph Knauer
Karl Dötschel
Max Wolf
Hugo Köhn
1948Franz KöhnKarl DötschelHugo Köhn
1951Hans KnauerKurt BauerAlwin Engel
1958Hans KnauerArno GansRudolph Schellhorn
1961Hans KnauerBruno KnauerRudolph Schellhorn
1964Hans KnauerBruno KnauerWilli Feyler
1969Bruno KnauerSiegfried KöhnWilli Feyler
1972Bruno KnauerSiegfried KöhnKarl Gebert
1984Bruno KnauerSiegfried KöhnKarl Gebert
1985Bruno KnauerSiegfried KöhnWerner Faber
1986Bruno KnauerSiegfried KöhnWerner Faber
1992Bruno KnauerSiegfried KöhnWerner Faber
1994Reinhard DötschelSiegfried KöhnWerner Faber
2002Reinhard DötschelSiegfried KöhnWerner Faber
2004Siegfried KöhnUrsula WeichertWerner Faber
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